Feasibility study

to assess the possibilities, opportunities and needs to standardise national legislation on violence against women, violence against children and sexual orientation violence

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Laufzeit: Januar bis November 2010

Die Zusammenhänge zwischen interpersoneller Gewalt, sozialen Ungleichheiten und Menschenrechten hinsichtlich der drei Bereiche dieser Machbarkeitsstudie erfahren zunehmend Aufmerksamkeit in Recht, Wissenschaft und Praxis: Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Kinder und Gewalt wegen sexueller Orientierung. Die Gewaltdefinitionen gehen weit auseinander und machen das Thema damit heikel und umstritten. Darüber hinaus liefern auch internationale Verträge und Übereinkommen häufig keine eindeutigen Definitionen hinsichtlich derjenigen Handlungen, die untersagt werden sollten bzw. vor denen Schutz gewährt werden muss. Im Rahmen dieses Projekts wurden daher auch Definitionen für die Formen der Gewalt entwickelt, mit denen sich diese Studie befasst.

Zentrale Aufgabe war die Erstellung einer schlüssigen Analyse über den Bedarf, die Möglichkeiten und eventuellen Hindernisse einer Standardisierung nationaler Gesetzgebung in den drei Bereichen der Gewalt für die EU-Mitgliedstaaten. Zu diesem Zweck hat die Kommission fünf Forschungsaufgaben gestellt:

  • Erstellung eines Überblicks (Mapping) der maßgeblichen Rechtsvorschriften und ihrer Umsetzung zu Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Kinder und Gewalt wegen sexueller Orientierung;
  • vergleichende Analyse;
  • Ausarbeiten von Mindeststandards;
  • Entwicklung eines Modells zu den Faktoren, die Gewalt begünstigen, und der Art und Weise, wie diese in die Rechtsvorschriften einfließen bzw. einfließen könnten;
  • Ausarbeiten von Empfehlungen.

Die ursprüngliche empirische Datenerhebung in dieser Studie umfasste Fragebögen, welche die rechtlichen und politischen Maßnahmen zur Bekämpfung von 13 Formen der Gewalt abdeckten (körperliche Misshandlung von Kindern, sexueller Missbrauch von Kindern, Vernachlässigung, sexuelle Ausbeutung von Kindern, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Gewalt in Paarbeziehungen, Stalking, Gewalt im Namen der Ehre, weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Menschenhandel und Gewalt wegen sexueller Orientierung), Länderberichte für jeden EU-Mitgliedstaat und einen Follow-up-Fragebogen, der von den nationalen Expert/inn/en beantwortet wurde.

Ergebnis des Mappings war eine Matrix über das Vorhandensein bzw. das Fehlen rechtlicher Maßnahmen in den Mitgliedstaaten. Auf der Grundlage dieser Matrix sowie der Länderberichte wurden im Rahmen der vergleichenden Analyse themenbezogene Berichte zu den Formen und Bereichen der Gewalt erstellt; der Schwerpunkt lag dabei auf den Gemeinsamkeiten und Divergenzen der gesetzlichen Rahmenbedingungen und ihrer Umsetzung in den Mitgliedstaaten sowie auf neuen vielversprechenden Praktiken. Im Wege einer analytischen Synthese wurden übergreifende Themen herausgearbeitet.

Im Rahmen der dritten Aufgabe des Forschungsauftrags war eine Reihe von Mindeststandards zu entwickeln, um größtmögliche Compliance mit bestehenden Menschenrechtsverpflichtungen zu verwirklichen und so für Schutz vor allen Formen der Gewalt gegen Frauen, der Gewalt gegen Kinder und der Gewalt wegen sexueller Orientierung in der EU zu sorgen, wobei gleichzeitig zu untersuchen war, welche Methoden der Vereinheitlichung im Rahmen der Rechtsetzung bzw. der Entwicklung politischer Strategien und Grundsätze auf EU-Ebene für ihre Umsetzung angemessen und erforderlich sind.

Unter Federführung von Carol Hagemann-White (Universität Osnabrück) wurde auch eine breit angelegte evidenzbasierte Bewertung des derzeitigen Forschungsstandes hinsichtlich der Faktoren oder Umstände, welche die Ausübung von Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Kinder und Gewalt wegen sexueller Orientierung begünstigen, erstellt (Multi-level Interactive Perpetration Model). Die Analyse der für das Entstehen von Täterschaft förderlichen Faktoren orientiert sich dabei an der Menschenrechtsperspektive der Studie. Die Belastbarkeit der Ergebnisse wurde evaluiert. Im Rahmen des Forschungsüberblicks wurden die Faktoren identifiziert, die insbesondere zu einer überproportionalen Gewalt gegen Frauen, gegen LSBT-Personen und gegen Kinder führen. Ein weiteres Kriterium war die Auswahl von Faktoren, die von politischen Grundsätzen und Strategien oder darauf beruhenden Präventions- und Interventionsmaßnahmen beeinflusst werden könnten. Auf Grundlage der Sichtung wurde eine Reihe übergeordneter Faktoren entwickelt, innerhalb derer die Forschungsergebnisse angesiedelt sind. Diese wurden auf vier Ebenen (ontogenetische Ebene, Mikro-, Meso-, Makro-Ebene) theoretisiert, wobei die Ebenen hier soziologisch definiert sind, was die Beschreibung von Gewalt erleichtert, die aus strukturellen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, zwischen den Generationen und wegen sexueller Orientierung resultiert. Ein interaktives visuelles Modell wurde erstellt, das sich über die vier Ebenen erstreckt und das Zusammenspiel der Faktoren darstellt. Das Modell zeigt die Gewichtung eines jeden Faktors für verschiedene Formen der Gewalt und die vielfachen Einflüsse eines jeden Faktors auf die Formen von Gewalt. Darüber hinaus wurden Pfadmodelle entwickelt, welche jeweils die unterschiedlichen Wege angeben, die zu einer oder der anderen Form von Gewalt führen.

Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen betreffen die Machbarkeit der Vereinheitlichung einzelstaatlicher Rechtsvorschriften auf EU-Ebene und bieten auch eine Leitlinie für Mitgliedstaaten bei der Umsetzung grundlegender Anforderungen zur Verwirklichung der Menschenrechtsverpflichtungen und zur Prävention von Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Kinder und Gewalt wegen sexueller Orientierung.

Das DIJuF ist nach dem Ausfall der Expert/inn/en für den Kinderschutz bei den Projektpartnern unmittelbar nach Beginn als „Kooperationspartner” eingesprungen. Für das DIJuF geforscht haben Dr. Thomas Meysen und Dr. Nina Trunk.